Psychische Probleme nach Schlaganfall

Veranstaltung:
Psychische Probleme nach Schlaganfall. Therapiemöglichkeiten


Dipl.-Psych. Sanja Cipcic-Schmidt, Neuropsychologische Praxis Heidelberg
Dr. Claudia Jansen, Stroke-Unit, Universitätsklinik Heidelberg

Die Veranstaltung fand
am Dienstag, den 20.10.2009 von 18:30 bis 20:00
in der Volkshochschule Heidelberg statt.

Veranstaltung am 20.10.2009
von links: Frau Horn-Rudolph (Moderatorin), Frau Sanja Cipcic-Schmidt, Frau Dr. Claudia Jansen



Weitere Bilder der Veranstaltung
:

Frau Horn Rudolph Frau Dr. Jansen Frau Cipcic
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Pressetext zur Veranstaltung:


Die Folgen eines Schlaganfalles sind vor allem in der Motorik und in der Sprache sichtbar. Häufig werden die "unsichtbaren", psychischen Folgen eines Schlaganfalles wie Leistungsminderungen auf kognitiver Ebene und seelische Probleme übersehen. Diese Folgeerscheinungen und deren Therapiemöglichkeiten werden im Vortrag vorgestellt, Tipps für Betroffene und Angehörige dargestellt und diskutiert.

Ein Schlaganfall führt häufig zu einer Reihe von Beeinträchtigungen der geistigen (kognitiven) Leistungen. Diese Leistungseinschränkungen können nur vorübergehend oder auch länger bestehen. Am häufigsten sind Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, der Gedächtnisleistung, des Planens und Handelns und visuell-räumlichen Leistungen. Eine Aufmerksamkeitsstörung wirkt sich erschwerend auf das Lernen von Neuem aus und somit auf den Therapiefortschritt in allen Therapien. Daher sollte Aufmerksamkeitsdefizit durch ein entsprechendes Training behoben oder minimiert werden. Manchmal kommt es in Folge der Aufmerksamkeitsstörung zur Vernachlässigung einer Körperseite, einer Raumseite oder eines Teiles der unmittelbaren Umgebung (Neglect). Dies ist ein Umstand, der vielfältige Unfallgefahren birgt.

Gedächtnisdefizite können verschiedene Auswirkungen haben, so z.B. das Einprägen von Informationen, die Verschlüsselung und Speicherung von Informationen im Kurzzeitgedächtnis, das Übertragen von neu Erlerntem ins Langzeitgedächtnis oder das Abrufen dort gespeicherter Informationen. Gedächtnisdefizite sind, neben der Aufmerksamkeitsstörung, die zweithäufigste kognitive Leistungsstörung infolge einer erworbenen Hirnschädigung. Diese Störungen zu reduzieren bzw. aufzuheben stellt ebenfalls ein wesentliches Therapieziel dar.
Defizite des Planens und Handelns, auch Exekutive Funktionen genannt, bewirken u.a. Probleme im Planen von zeitlichen Abfolgen und / oder von Handlungsabfolgen und/oder in der Verhaltenssteuerung und –Kontrolle.
Diese „unsichtbaren“, von außen nicht wahrnehmbaren Schlaganfall-Folgen werden oft erst nach Besserung der motorischen Fähigkeiten bemerkt. Meistens deckt erst eine neuropsychologische Testuntersuchung das vollständige Bild der Beeinträchtigungen im kognitiven Bereich auf. Ein rechtzeitiges Erkennen dieser organisch verursachten Beeinträchtigungen hat ein besseres Verständnis dieser gestörten Verhaltensweisen zur Folge und ermöglicht frühzeitige gezielte therapeutische Interventionen.

Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen können nach einem Schlaganfall als direkte Folge der Hirnschädigung auftreten in Form von Depressionen, Stimmungsschwankungen und Belastbarkeitsminderung. Antriebsminderung aber auch Antriebssteigerung bis hin zu einer ständigen Unruhe, Impulsivität und Aggressivität können sich einstellen. Es kann auch zu einer Wahrnehmungsstörung kommen, bei welcher der Betroffene die eigene Krankheitsfolgen nicht klar erkennen kann bzw. nur eine Teileinsicht in die neu aufgetretenen Probleme gewinnt. Bei diesen Störungen liegt weder böser Wille noch Faulheit vor, es handelt sich vielmehr um organisch verursachte Krankheitssymptome, so wie Lähmungen oder Sprachstörungen.

Als Reaktion auf die plötzlich dramatisch veränderte Lebenssituation können sich seelische (psychische) Probleme einstellen. Die Krankheit kann auf sehr unterschiedliche Weise verarbeitet werden. In der Regel durchlaufen Betroffene mehrere Krankheitsphasen, von der Verdrängung über depressive Reaktionen bis hin zu einer neuen Akzeptanz ihrer Lebenssituation. Auf diesem Weg können sich Ängste, Mutlosigkeit, Erschöpfung, depressive Verstimmungen, Stimmungsschwankungen, Störungen im sexuellen Bereich sowie Schuld- und Schamgefühle einstellen. Dies geschieht vor allem dann, wenn der Betroffene über seelische Not mit niemandem spricht und sich stattdessen zurückzieht. Ein Betroffener braucht viel Zeit und Raum und er braucht Unterstützung, sowohl von seiner Familie als auch von Fachleuten, um diesen Prozess der Krankheitsverarbeitung zu bewältigen und um im Alltag wieder festen Fuß zu fassen.

Angehörige sind immer mit betroffen, Für sie verändert sich ebenfalls plötzlich ihr ganzes Leben. Sie müssen sich unerwartet und unvorbereitet mit den Schwierigkeiten einer veränderten Lebenssituation auseinandersetzen, und dabei sind sie noch in ständiger Sorge um den Erkrankten. Diese Angehörigen brauchen unverzüglich eine gründliche Aufklärung über die Zusammenhänge zwischen einer Hirnverletzung und den möglichen Verhaltensänderungen der Erkrankten. Angehörige brauchen für ihre neuen Aufgaben und Lernprozesse ebenfalls und ganz besonders jede mögliche Beratung, Begleitung und Unterstützung.

Kurz gesagt: Ein Schlaganfall kann die unterschiedlichsten Symptome in verschiedenst starken Ausprägungen zeigen. Der bisher gewohnte Alltag ist plötzlich in allen Bereichen beeinträchtigt - für den Betroffenen und für die Menschen um ihn herum.

Auf die große Zahl von Menschen, die aus dem Krankenhaus in ihr früheres Leben zurück entlassen werden, warten zahlreiche, zum Teil große Schwierigkeiten, welche die Lebensqualität erheblich mindern können. Sicherlich ist es schwierig, nicht an das zu denken, was nach einem erlittenen Schlaganfall nicht mehr möglich ist. Doch anstatt zurück zu blicken gilt es zu sehen und zu würdigen, was alles noch (oder wieder) geht. Viele betroffene Menschen leben vor, dass es nach einem Schlaganfall sehr wohl möglich ist, seinen festen Platz im neuen Leben zu finden und seine Chancen zu ergreifen.

Der Prozess der Rehabilitation geht auch nach der Entlassung aus der Klinik immer weiter. Der Raum Heidelberg / Sinsheim hält eine große Vielfalt an therapeutischen und beraterischen Leistungen, die auch ambulant erbracht werden, für Sie bereit. Zahlreiche Möglichkeiten sind vorhanden, Ihre Rehabilitationsziele weiter zu verfolgen und sich bei verschiedensten Fragestellungen, die im Laufe des Rehabilitationsprozesses auftauchen, professionell beraten und helfen zu lassen. Man muss die geeignete Hilfe jedoch erst einmal finden.

Dabei will der Schlaganfallwegweiser für Heidelberg und Umgebung helfen:
Herausgeber: Heidelberger Schlaganfall-Netzwerk, www.schlaganfall-netzwerk-heidelberg.de

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